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31. Oktober 2026 5 Min. Lesezeit· Patricia Weibold

Aufgaben abschließen, Übergänge begleiten: Ein Praxisimpuls für Fachkräfte

Wann ist eine Aufgabe fertig, und was kommt danach? Ein konkreter Reflexionsrahmen für Fachkräfte, die Übergänge mit Menschen im Autismus-Spektrum verständlich und selbstbestimmt gestalten möchten.

Die gemeinsame Tätigkeit endet, Materialien sollen zurück an ihren Platz, anschließend steht etwas anderes an: Solche Übergänge sind ein konkreter Anlass, die eigene Begleitung zu reflektieren. Woran erkennt die begleitete Person, dass eine Aufgabe abgeschlossen ist? Wer entscheidet über das Ende? Und ist verständlich, was danach möglich oder vorgesehen ist? Dieser Beitrag bietet Fachkräften einen Vorschlag, um genau hinzuschauen und gemeinsam passende Unterstützung zu erproben – nicht als allgemeingültiges Rezept für Menschen im Autismus-Spektrum.

Ein Alltagsthema mit klarer Fragestellung

Die NEUROdiver Akademie nennt in ihren Lehrgängen auf Basis des TEACCH-Ansatzes unter anderem die Sensibilisierung für Bedürfnisse und Alltagsschwierigkeiten sowie alltagspraktische Hilfen und autismusspezifische Strategien als Lernziele. Die Elternreihe „Das Autismus-Spektrum: Vom Verstehen – zum Handeln“ greift außerdem Struktur und Sicherheit im Alltag auf. Daran lässt sich eine praktische Frage anschließen: Wie gestalten wir das Ende einer Tätigkeit so, dass die Perspektive der begleiteten Person berücksichtigt wird?

Die folgenden Anregungen sind als Reflexions- und Erprobungsvorschläge gedacht. Sie beschreiben weder ein standardisiertes TEACCH-Verfahren noch einen garantierten Weg zu reibungslosen Übergängen. Welche Unterstützung passt, sollte mit der jeweiligen Person und anhand der konkreten Situation geklärt werden.

1. Eine einzelne Situation auswählen

Wählen Sie zunächst einen überschaubaren Übergang aus Ihrem Arbeitsalltag: etwa das Ende einer Kreativaufgabe, das Aufräumen nach einer gemeinsamen Tätigkeit oder den Wechsel von einer Arbeitsphase in eine Pause. Betrachten Sie nicht sofort den gesamten Tagesablauf. Formulieren Sie stattdessen möglichst konkret, was Sie gemeinsam verständlicher gestalten möchten.

  • Welche Tätigkeit soll enden, und aus welchem Grund?
  • Woran ist bisher erkennbar, dass sie abgeschlossen ist?
  • Wie wird die nächste Tätigkeit angekündigt?
  • Welche Entscheidungen kann die begleitete Person selbst treffen?
  • Was äußert sie zu diesem Übergang – in ihrer jeweiligen Kommunikationsform?

Halten Sie Beobachtung und Interpretation auseinander. „Nach der Aufforderung wurde weitergemalt“ beschreibt beispielsweise einen Ablauf. „Die Person wollte nicht kooperieren“ unterstellt bereits eine Absicht. Für die gemeinsame Klärung ist die konkrete Beschreibung der bessere Ausgangspunkt.

2. Das Ende gemeinsam vereinbaren

Prüfen Sie vor Beginn einer Tätigkeit, ob ihr Abschluss ausreichend geklärt ist. Als mögliche Vereinbarung kommen beispielsweise eine bestimmte Teilaufgabe, ein gemeinsam festgelegter Zeitpunkt oder eine ausdrückliche Rückfrage infrage. Entscheiden Sie nicht allein nach organisatorischer Bequemlichkeit, sondern beziehen Sie Wünsche und Verständnismöglichkeiten der Person ein.

Ein denkbarer Gesprächsimpuls lautet: „Was möchtest du heute fertig machen? Was darf bis zum nächsten Mal liegen bleiben?“ Falls gesprochene Sprache dafür nicht die passende Form ist, wählen Sie die mit der Person abgestimmte Kommunikationsweise. Ein vereinbartes Ende sollte auch Raum für Rückfragen und Änderungswünsche lassen.

3. „Fertig“ und „danach“ getrennt klären

Betrachten Sie zwei Fragen unabhängig voneinander: Ist der Abschluss der aktuellen Tätigkeit verständlich? Und ist die nächste Situation verständlich? Prüfen Sie für beide Fragen, welche Informationen tatsächlich gebraucht werden. Erproben könnten Sie etwa einen beschrifteten Ablageplatz für abgeschlossene Arbeiten, eine kurze schriftliche Vereinbarung oder eine gemeinsam ausgewählte Darstellung des nächsten Schritts.

Diese Beispiele sind keine Vorgaben für alle Menschen im Autismus-Spektrum. Besprechen Sie, ob eine solche Hilfe gewünscht ist und in welcher Form sie verständlich wäre. Vermeiden Sie zusätzliche Darstellungen nur deshalb, weil Material verfügbar ist. Die entscheidende Prüffrage lautet: Ist die Information für diese Person in dieser Situation nützlich?

4. Offene Aufgaben nicht einfach verschwinden lassen

Wenn etwas noch nicht abgeschlossen ist, können Sie einen nachvollziehbaren Zwischenstand vereinbaren. Fragen Sie beispielsweise, wo das Material aufbewahrt werden soll, was noch fehlt und wann über die Fortsetzung gesprochen wird. Versprechen Sie dabei keine Fortsetzung zu einem Zeitpunkt, den Sie nicht einhalten können.

Als ausdrücklich hypothetisches Beispiel: Eine Person möchte an einer Gestaltung weiterarbeiten, während die gemeinsame Arbeitszeit endet. Statt die Arbeit kommentarlos wegzuräumen, könnten Sie gemeinsam einen Aufbewahrungsort wählen und den offenen Schritt festhalten. Ob dieses Vorgehen gewünscht und passend ist, bleibt mit der Person zu klären.

5. Unterstützung gemeinsam überprüfen

Vereinbaren Sie im Team eine kurze, sachliche Auswertung. Beziehen Sie die Rückmeldung der begleiteten Person ausdrücklich ein. Dokumentieren Sie nicht nur, ob ein Wechsel stattgefunden hat, sondern auch, wie die Vereinbarung erlebt und genutzt wurde.

  • War erkennbar, was beendet werden sollte?
  • Konnte die Person Wünsche, Ablehnung oder Rückfragen ausdrücken?
  • War die nächste Situation ausreichend geklärt?
  • Welche Unterstützung soll bleiben, verändert oder weggelassen werden?

Fachliche Vertiefung bei der NEUROdiver Akademie

Die Lehrgänge in Salzburg, Feldkirchen sowie Wels/Wien greifen theoretische und praktische Kompetenzen, alltagspraktische Hilfen und Förderdiagnostik auf. Einen kompakten, praxisnahen Überblick richtet die Akademie auch an Fachkräfte mit der Reihe „Das Autismus-Spektrum: Vom Verstehen – zum Handeln“. Ihr Modul „Struktur & Sicherheit im Alltag“ bietet einen thematischen Anknüpfungspunkt. Für die Praxis bleibt die Leitfrage: Nicht nur „Wie gelingt der Wechsel?“, sondern „Wie gestalten wir ihn gemeinsam verständlich und respektvoll?“

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