Drei Seminartage voller Austausch: TEACCH im Kindergartenalltag
Mein persönlicher Rückblick auf drei intensive Seminartage mit 20 Elementarpädagoginnen und Sonderkindergartenpädagoginnen: über Autismus, Strukturierung und Visualisierung, Orientierung und alltagspraktische Unterstützung.
Drei wunderbare, intensive Seminartage liegen hinter mir. Ich durfte mein Seminar „Alltagspraktische Hilfestellungen für den Kindergartenalltag auf Basis des TEACCH®-Ansatzes“ mit 20 engagierten Elementarpädagoginnen und Sonderkindergartenpädagoginnen gestalten, die täglich autistische Kinder begleiten. Was mir davon besonders bleibt: die vielen klugen Praxisfragen, der offene Austausch und die gemeinsame Suche nach Unterstützung, die wirklich zum einzelnen Kind passt.
Ich liebe die Arbeit mit Fachkräften aus dem Kindergartenbereich von Herzen.
Hier wird der Grundstein für so vieles gelegt: für Beziehung, Vertrauen, gemeinsames Lernen und die Erfahrung, mit den eigenen Bedürfnissen verstanden zu werden. Deshalb möchte ich in diesem persönlichen Erfahrungsbericht erzählen, was uns an diesen drei Tagen beschäftigt hat.
Am Anfang steht das Verstehen
Wir haben den Kindergartenalltag gemeinsam genau unter die Lupe genommen. Dabei ging es nicht darum, für jedes Kind dieselbe Lösung zu finden. Ausgangspunkt waren die unterschiedlichen Lern-, Denk- und Wahrnehmungsstile von Kindern im Autismus-Spektrum: Was nimmt dieses Kind wahr? Was versteht es bereits? Was fällt ihm leicht, und wobei braucht es Unterstützung?
Für mich braucht wirksame Begleitung beides: fundiertes autismusspezifisches Fachwissen und den aufmerksamen Blick auf das einzelne Kind. Der TEACCH®-Ansatz ist dabei ein weltweit anerkannter, ganzheitlicher autismusspezifischer Ansatz – weit mehr als Pläne und Visualisierung. Seine Haltung stellt den Menschen mit seinen Stärken, Interessen, Fähigkeiten und seinem Unterstützungsbedarf in den Mittelpunkt.
Neurodivergenfreundliche Raumgestaltung, Zeitliche Orientierung und Übergänge verständlich machen
Wie können wir Reizüberflutung reduzieren und Gruppenräume klar, übersichtlich und autismusfreundlich gestalten? Wir haben darüber gesprochen, wie räumliche Strukturierung, passende Visualisierungen eingesetzt werden können, damit Kinder sich rasch orientieren können - was wiederum Sicherheit und Halt gibt.
Die Fragen waren ganz konkret: Wie findet ein Kind eigenständig, was es braucht? Wie erkennt es, wohin etwas nach dem Spielen gehört? Wie wird verständlich, was jetzt passiert und was als Nächstes kommt?
Ebenso beschäftigten uns Raumwechselschwierigkeiten (Übergangsprobleme) und Wartesituationen – Momente, die im Kindergarten häufig vorkommen und für manche Kinder besonders herausfordernd sind.
Dabei blieb für mich entscheidend: Eine Unterstützung muss für das jeweilige Kind verständlich sein. Nicht jedes Bild, jeder Plan oder jede Struktur passt automatisch zu jedem Kind. Es braucht genaues hinschauen und individuelle Lösungen!
Passende Spiel- und Förderangebote, Kommunikation
Was braucht ein Kind, um sich auf ein Spiel oder eine Beschäftigung einlassen zu können? Welche Vorlieben zeigt das Kind? Wie können wir seine Stärken und Spezialinteressen aufgreifen? Und wie schaffen wir im Alltag Gelegenheiten, Wünsche ("Bitte spiel mit mir"), Ablehnung ("Nein", "Mag nicht") oder den Bedarf nach Hilfe mitzuteilen ("Ich brauche Hilfe")?
Beziehung trägt – auch durch schwierige Momente
Ein zentraler Schwerpunkt liegt immer auch auf der Beziehungsarbeit. Fachkräfte im Kindergarten sind für viele Kinder die ersten außerfamiliären Bezugspersonen. Damit übernehmen sie eine wichtige Rolle: Klarheit vermitteln, Sicherheit und Halt geben, schwierige Momente gemeinsam tragen und nach Lösungen suchen.
Und bei aller Ernsthaftigkeit dürfen Humor, Spaß und die echte Freude am gemeinsamen Tun nicht fehlen. Beziehung ist nicht nur dann wichtig, wenn etwas schwierig wird – sie entsteht auch in den schönen, kleinen Momenten des Alltags.
Klarheit kann der ganzen Gruppe helfen
Für mich ist der TEACCH®-Ansatz aus der praktischen Begleitung längst nicht mehr wegzudenken. Verständliche Abläufe und visuelle Orientierung können dabei auch anderen Kindern helfen: etwa Kindern mit Sprachschwierigkeiten, mit unterschiedlichen sprachlichen Hintergründen, kognitiven Beeinträchtigungen oder Ängsten – ebenso neurotypischen Kindern. Entscheidend bleibt immer, welche Unterstützung das einzelne Kind tatsächlich braucht.
Was ich aus diesen drei Tagen mitnehme
Am Ende standen für uns drei Fragen, die ich auch über das Seminar hinaus besonders wichtig finde:
- Wen habe ich vor mir?
- Was möchte mir das Kind – vielleicht gerade durch sein Verhalten – mitteilen?
- Welche Rahmenbedingungen braucht genau dieses Kind, um möglichst selbstständig zu sein und sich bestmöglich zu entwickeln?
Danke an diese tolle, motivierte Gruppe für den offenen Austausch, die vielen klugen Fragen und euer großes Herzblut für gelungene Inklusion. Solche Seminartage zeigen mir immer wieder, wie wertvoll es ist, miteinander und voneinander zu lernen.
Ich freue mich auf die nächsten geplanten Seminartage mit der Gruppe!
Alles Liebe,
eure Patricia
Fragen zu diesem Thema?
Wir sprechen gerne persönlich mit Ihnen — vertraulich und unverbindlich.
Kontakt aufnehmen